Urban Gardening – eine Sonderform des Gartenbaus
Auszug aus der Diplomarbeit von
„Urbane Landwirtschaft und Ihre Auswirkungen auf das Stadtklima – am Beispiel Berlins“
Universität Potsdam / Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP)
Erscheinungsjahr 2013
„Beim urbanen Gärtnern steht der Mensch und sein Wunsch nach Selbstverwirklichung und Selbstversorgung im Mittelpunkt. (Müller 2011) Er sucht nach Begegnung mit der Natur, will Kontakt zu Lebensmitteln herstellen, sie selber produzieren und zwar im urbanen Raum. Dieser Gedanke ist sehr aktuell und es gibt heute eine Vielzahl an Möglichkeiten diesem Streben nachzugehen. Dies äußert sich für Einzelne mit Gärtnern auf dem Balkon oder im Hinterhof. Gemeinschaftlich genutzt werden Nachbarschaftsgärten, Kleingärten, interkulturelle Gärten, Kiezgärten, Dachgärten und viele mehr. Das Phänomen ist nicht neu in europäischen Städten. Es tritt bis heute vorwiegend während Versorgungskrisen auf, hat sich aber seit der Industrialisierung auch in Form von Schreber- und Kleingärten etabliert. (Lohrberg 2009)
Begonnen hat der Aufschwung urbanen Gärtnerns in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in den USA in Form von Gemeinschaftsgärten. Grund war der Niedergang der Industrie in der Region des sogenannten ‚Rust-Belt‘, die Region von Chicago über Boston, Washington D. C. bis nach New York. Auch heute ist das urbane Gärtnern dort noch stark ausgeprägt. In westeuropäischen Städten setzt die Entwicklung oder besser ihre Wiederentdeckung erst in den 1990er Jahren ein. (Uttke 2011) Gründe waren nicht Versorgungsengpässe, obwohl die Finanzkrise 20 Jahre später die Entwicklung sicher beschleunigt hat. Die Ursachen sind unter anderem in der Unzufriedenheit mit dem herrschenden Wirtschafts- und Ernährungssystem und dem wachsenden nachhaltigen Bewusstsein zu finden. Aber auch der Wunsch der unabhängigen Lebensmittelproduktion und Steigerung der Lebensqualität. (Müller 2011, Lohrberg 2011) Der soziale Aspekt spielt ebenfalls eine große Rolle, da viele Gärten gemeinsam bewirtschaftet werden. Das Betreiben von Landwirtschaft im weiteren Sinne in der Stadt auf Dächern, in Hinterhöfen und als Zwischennutzung auf Brachflächen findet meist offen im Raum und für alle zugänglich statt. Dies zeugt vom Bewusstsein für die Stadt und dem Wunsch nach nachhaltiger und effizienter Ressourcen- und Flächennutzung im städtischen, vor allem im innerstädtischen Raum, wenn auch nur temporär. Die Stadt wird heute als Lebens- und Verwirklichungsraum wahrgenommen und genutzt. Akteure sind dabei Einzelpersonen oder eine Gruppe von Menschen.
Deren Ziel ist es:
- Lebensmittel selbst,
- ökologisch und nachhaltig anzubauen,
- durch Eigenleistung zur Verschönerung des städtischen Umfelds beizutragen,
- ein neues Lebensgefühl zu leben,
- und seine Kompetenzen im sozialen Miteinander zu stärken. (Stierand 2012)
Die Flächen sind klein und im Gesamtbild der Stadt als punktuell anzusehen. Ökologische Effekte sind zwar vorhanden, durch ihre geringe Wirkung für die Stadtplanung – zumindest im Einzelnen – aber kaum von Bedeutung. Neben diesen „punktuellen Einsätzen“ (Lohrberg 2009) des urbanen Gärtnerns trifft man in deutschen Metropolregionen auch professionell arbeitende Landwirte an, die auf größeren Flächen der Stadt Landwirtschaft betreiben. Diese Form der Flächennutzung wird als urbane Landwirtschaft bezeichnet. Der Begriff der urbanen Landwirtschaft wird oft verwendet, bezieht sich aber nicht immer auf die gleiche Art von Landwirtschaft. Insbesondere erfolgt oft nur eine unzureichende Abgrenzung vom urbanen Gärtnern, das jedoch gänzlich andere Ziele verfolgt, als der urbane Landwirt.“
Literaturverzeichnis:
Müller, C. (Hrsg.) (2011): Urban gardening: Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. 2. Auflage München: Oekom-Verlag.
Lohrberg, F. (2009): Masterplan Agrikultur: Städte müssen Dialog mit Landwirten suchen. In: Stadt + Grün, Jg. 58, Nr. 11, S. 43-48.
Uttke, A. (2011): Community garden, city farm, guerilla garden – Urbane Landwirtschaft in Nordamerika und Westeuropa. In: Stadt + Grün, Jg. 60, Nr. 8, S. 18-23.
Lohrberg, F. (2011a): Agrarfluren und Stadtentwicklung. In: Urban gardening: Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. Hrsg. von Müller, C. München: Oekom-Verl, S. 140-149.
Lohrberg, F. (2011b): Urbane Agrikultur – Neue Formen der Primärproduktion in der Stadt. In: PLANERIN Fachzeitschrift für Stadt-, Regional und Landesplanung, Nr. 5, 2011, S. 35-37.
Stierand, P. (2012): Stadtentwicklung mit dem Gartenspaten – Umrisse einer Stadternährungsplanung. Online Publikation.
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