Das Begriffsmodell der urbanen Agrikultur
Auszug aus der Diplomarbeit von
“Urbane Landwirtschaft und Ihre Auswirkungen auf das Stadtklima – am Beispiel Berlins”
Universität Potsdam / Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP)
Erscheinungsjahr 2013
„Beim urbanen Gärtnern stehen der Mensch und sein Wunsch nach Selbstverwirklichung und Selbstversorgung im städtischen Raum im Vordergrund. Der urbane Landwirt dagegen arbeitet professionell, markt- und kundenorientiert auf größeren Flächen der Stadt, insbesondere im peri-urbanen Raum (Abbildung 1). Er hat sich an die städtischen Gegebenheiten angepasst und unterscheidet sich insbesondere durch die räumliche Nähe zur Stadt und den Konsumenten von der ruralen (ländlichen) Form der Landwirtschaft. (Lohrberg 2001, Smit u.a. 2001) Aber auch die Integration und Interaktion mit dem Wirtschafts- und Ökosystem der Stadt, gepaart mit ihrer Innovations- und Anpassungsfähigkeit, sind Abgrenzungsmerkmale. (Lohrberg 2001) Typisch für urbane Landwirtschaft ist die intensivere und vielfältigere Flächennutzung im Vergleich zur ruralen Landwirtschaft sowie die Kombination klassischer Agrarprodukte mit Angeboten für Bildung, Erholung und Freizeit. (Lohrberg 2001, Lohrberg 2011a, Mougeout 2000a, Smit u.a. 2001, Stierand 2008)
Damit sind von der urbanen Landwirtschaft die rurale Landwirtschaft, die außerhalb des städtischen Gebiets stattfindet, aber auch die oft als urbane Landwirtschaft bezeichnete Form des urbanen Gärtnerns abzugrenzen.
Urbanes Gärtnern hat seinen Schwerpunkt im innerstädtischen (intra-urbanen) Raum, findet aber auch im randstädtischen (peri-urbanen) Raum statt. Urbane Landwirtschaft ist dagegen nur in Ausnahmefällen im intra-urbanen Raum anzutreffen (Abbildung 1).
Gemeinsam ist Beiden die Nahrungsmittelproduktion in der Stadt. Als Teil des Subsystems „Produktion“ des städtischen Ernährungssystems kann der Begriff Landwirtschaft für beide Formen der Primärproduktion verwendet werden. (Stierand 2008) Um dem gerecht zu werden, hat sich ein Begriffsmodell entwickelt, welches beide Methoden impliziert und unter dem Oberbegriff „Urban Agriculture“ zusammengefasst werden kann. (u.a. Lohrberg 2011b, Mougeot 2000b, Veenhuizen & Danso 2007) Der Begriff „Agriculture“ wird nicht mit Landwirtschaft sondern mit Agrikultur übersetzt, da nicht nur der professionelle Landwirt, sondern auch andere Formen der Primärproduktion in der Stadt mit nichtlandwirtschaftlichen Akteuren durch diesen Begriff angesprochen werden. Die Trennung zwischen intra- und peri-urbaner Agrikultur darf nicht als klare Abgrenzung gesehen werden, sondern besteht als fließender Übergang zwischen beiden Formen. (Lohrberg 2009, Veenhuizen & Danso 2007) Insbesondere der Schnittbereich verdeutlicht die Schwierigkeit einer allgemein gültigen Definition für beide Ausprägungsformen.“
Literaturverzeichnis:
Lohrberg, F. (2001): Stadtnahe Landwirtschaft in der Stadt- und Freiraumplanung: Ideengeschichte, Kategorisierung von Konzepten und Hinweise für die zukünftige Planung. Norderstedt: Books on Demand.
Smit, J. u. a. (2001): Urban agriculture: Food, jobs and sustainable cities – 2001 Edition. Bd. 1. Publication series for Habitat II / United Nations Development Programme. New York: United Nations Development Programme.
Lohrberg, F. (2011a): Agrarfluren und Stadtentwicklung. In: Urban gardening: Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. Hrsg. von Müller, C. München: Oekom-Verl, S. 140-149.
Mougeot, L. J. (2000a): Urban Agriculture: Concept and definition. In: Urban Agriculture Magazin, Jg. 1, Nr. 1, S. 5-7.
Smit, J. u. a. (2001): Urban agriculture: Food, jobs and sustainable cities – 2001 Edition. Bd. 1. Publication series for Habitat II / United Nations Development Programme. New York: United Nations Development Programme.
Stierand, P. (2008): Stadt und Lebensmittel – Die Bedeutung des städtischen Ernährungssystems für die Stadtentwicklung. Diss. Dortmund: Technische Universität.
Lohrberg, F. (2011b): Urbane Agrikultur – Neue Formen der Primärproduktion in der Stadt. In: PLANERIN Fachzeitschrift für Stadt-, Regional und Landesplanung, Nr. 5, 2011, S. 35-37.
Mougeot, L. J. (2000b): Urban Agriculture: Definition, Presence, Potentials and Risks: Thematic Paper 1. In: Growing Cities Growing Food: Urban Agriculture on the Policy Agenda: A Reader on Urban Agriculture. Hrsg. von Bakker, N. u. a. Feldafing: Deutsche Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE), S. 99-117.
Veenhuizen, R. v. & Danso, G. (2007): Profitability and sustainability of urban and peri-urban agriculture. 1. Auflage Rome: Food und Agriculture Organization of the United Nations.
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